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Kristallkugel

Jahresende. Da häufen sich die Rückblicke (Tenor: grausam mit der Aussicht auf Schlimmeres) aber auch die Ausblicke und Vorhersagen für's neue Jahr. Einen sehr interessanten habe ich hier gefunden - interessant deshalb weil hier doch sehr unterschiedliche Sichtweisen zum Thema IT in 2009 aufeinanderprallen. Ich habe (ohne Wertung) die für mich wahrscheinlichsten herausgenommen und stelle Sie hier kurz vor bzw. ergänze sie mit meinen eigenen Kommentaren (wer den ganzen Artikel lesen will: Dies ist der Link).

  1. Zunahme der IT Schattenwirtschaft - Schon jetzt bilden sich in Unternehmen vielfach Inseln wo aus unterschiedlichsten Gründen an den offiziellen IT Richtlinien vorbeigewirtschaftet wird. Sei es weil die aufgezwungenen Lösungen niemand mag (Vista, Lotus Notes) oder weil sanktionierte Roll-Outs bestimmter Produkte viel zu lange dauern (SAP, SalesForce).

    Bedingt durch die vorhersehbare Budgetknappheit wird sich dieser Trend noch verstärken, allerdings ist dieser Markt nichts worauf man als Verkäufer eine Strategie aufbauen könnte, da Entscheidungen und deren Träger überhaupt nicht kalkulierbar sind.

  2. Verstärkte Hardware Virtualisierung und damit noch weniger Geschäft für Hardwarehersteller (speziell im Mid- und Mainframe Bereich). Neuinvestionen werden in 2009 hier stark zurückgehen.

  3. Softwareupdates werden am stärksten unter den Budgetrestriktionen leiden. Warum etwas tauschen oder ergänzen das ohnehin funktioniert? Hasso Plattner (SAP) hat diese Woche in einem Interview gesagt, dass er (und somit SAP) überhaupt nicht abschätzen kann, was nächstes Jahr passieren wird. Und es ist anzunehmen dass dieser Satz nicht darauf ausgelegt war, positive Erwartungen zu schüren.
    Womit wir wieder beim Thema Microsoft wären: Sollte Windows 7 tatsächlich wie vorausgesagt im Juni oder Juli kommen, so wird in den ersten 12 Monaten (und möglicherweise länger) wohl wieder niemand (Großer) den Schritt wagen.

  4. Social Networking und die Verflechtung ("Mashup") mit und zu neuen CRM Plattformen. Ich halte die Thematik für dramatisch überbewertet, genau so wie das Thema Social Networking an sich. Dies mag in Amerika (und auch da nur für Endkunden) zutreffen, in Europa ist von dem ganzen FacebookTwitter Hype nur wenig zu bemerken.

    Die einzige Business orientierte Social Networking Plattform (Xing) wird in erster Linie von Jobsuchenden und Projektvermittlern frequentiert, echten Nutzen zieht wohl kaum jemand daraus. Irgendwie ist es auch schwer vorstellbar dass der gestandene / -stresste Transportunternehmer oder Bierbrauer nach getaner Arbeit sein CRM System aufmacht und seine Kontakte um deren soziales Netzwerk ergänzt.
    Allerdings: Nicht alles was ich für schwachsinnig halte muss zwangsläufig auch ein Misserfolg werden (siehe RedBull).

    Nachsatz 1: CRM wird aber auch in Europa einen anderen Stellenwert bekommen bzw. eine Ausweitung erfahren. Da sind einerseits die rund 70% Unternehmen die bis dato CRM (als Strategie, nicht als Produkt!) noch überhaupt nicht einsetzen - diese werden 2009 schmerzlich erfahren dass es immer schwieriger (und teurer) wird Neukunden zu gewinnen und dass man besser früher begonnen hätte seine existente Kundenbasis besser zu pflegen.

    Andererseits werden auch sehr agile Betriebe lernen müssen, dass ein aktiver Dialog mit der Kundenbasis nicht erst beginnen kann, wenn der Kunde eine Reklamation hat. Produkte werden in Foren verglichen, es gibt Bewertungen von allen möglichen Dienstleistungen und gerade bei Software natürlich die vielzitierten Communities.

    Unternehmen werden sich in diesen Prozess viel früher als jetzt einklinken (müssen) und versuchen, die existente und potentielle Käuferschaft über kompetenten Dialog von der eigenen Leistungsfähigkeit zu überzeugen. Damit wird sich auch das Bild der PR Leute wandeln - Unternehmenssprecher (und deren produzierte heiße Luft) verlieren an Bedeutung weil die klassische Presse an Bedeutung verliert, so genannte "Community Relations" Leute werden es aber spätestens 2010 auch bis in den Vorstand schaffen (CCO - Chief Community Officer) - VPs in dem Bereich gibt es ja bereits seit längerem.

    Nachsatz 2: Auch wenn ich mir jetzt selbst widerspreche - etwas das kommen wird (aber vermutlich noch nicht als Produkt in 2009): BI (Business Intelligence) über die Unternehmensgrenze hinaus. Spider und Robots die Informationen zu unternehmensrelevanten Themen im Netz suchen, in einer Datenbank (CRM?) ablegen und wo dann über Data Mining gezielt jene relevanten Personen (Comunity Leaders) und Themen identifiziert werden, mit denen dann "kompetent" kommuniziert wird.

    Nachsatz 3: Zurück auf den Boden der europäischen Mittelstandskultur. Die meisten Unternehmen haben noch nicht einmal einen konsistenten Adressbestand. Für den Rest siehe Nachsatz 1...

  5. Cloud Computing - ein Trend der 2009 noch stärker werden wird und wo auch der Zugang (teilweise über Drittunternehmen) leichter gemacht / standardisiert wird. Für mich bedeutet Cloud Computing nichts anderes als eine noch feinere Granulierung und daher Kostensteuerung bei zugekauften IT Ressourcen.

    Musste man früher Webspace mit Jahresveträgen kaufen so ist es heute für (fast) jedermann möglich, einen Windows/Linux Server innerhalb von 10 Minuten zu bestellen, hochzufahren und eine Applikation eine Stunde, einen Tag oder 1 Woche zu testen. Und das alles für nicht mehr als knappe 0,08 EUR pro Stunde, Hardware, Software und Bandbreite inklusive.

    Drittanbieter werden diese Services noch weiter verfeinern in dem Sie beispielsweise sehr günstige Applikationsbündel schnüren und diese dann ohne Knebelverträge auch auf Monatsbasis anbieten. Wer keine oder kaum Fixkosten hat muss diese auch nicht weitergeben. Dieser Trend geht Hand in Hand mit einem dramattischen Verfall der Hardwareverkäufe da über Virtualisierung (und Cloud Computing basiert auf diesem Konzept) Ressourcen weit besser (elastisch) ausgenutzt werden (siehe auch Punkt 2 oben).

Hinweis: die hier angeführten Punkte sind die rein private Meinung des jeweiligen Autors.